Das Stück Heldenplatz von Thomas Bernhard gehört mittlerweile zum Schullesestoff. Zur Zeit der Uraufführung im Jahre 1988 – vor allem kurz davor – hat Heldenplatz in und um Wien eine groteske Kontroverse ausgelöst, die in Teilen an das Stück erinnert, das 2015 in und um Dresden aufgeführt wird. Ein Blick auf (Schein)Identitäten, parallele Zustände und eine Hommage an Wolfgang Gasser, der den Protagonisten in Heldenplatz verkörperte, wie kein zweiter es gekonnt hätte.

Lange schon habe ich daran gedacht, daß ich doch etwas schreiben muß über die Zustände in Dresden, der Stadt, in der ich lebe. Ich schreibe absichtlich nicht meine Stadt, denn was bei den allmontäglichen “Spaziergängen” von Pegida regelmäßig geschieht, wie sehr etwa Dynamo Dresden glorifiziert wird, wie sehr sich Dresden noch immer als unschuldiges Opfer der alliierten Bombenangriffe vom 13. Februar 1945 fühlt – mit all dem kann ich mich nicht identifizieren. Und ich will es auch nicht. Vielen alteingesessenen Dresdnern, die zeit ihres Lebens kaum aus dieser Stadt herausgekommen sind, trauern einer Vergangenheit hinterher, die so nie existiert hat. Und wahrscheinlich trauern viele Wiener, die den Rest Österreichs gerne als Umland Wiens bezeichnen, der längst vergangenen k.u.k. Monarchie hinterher, die im Rückblick und heutzutage in völliger Unkenntnis der tatsächlichen Zustände idealisiert wird.

Und genau da treffen sich beide Erzählstränge, die ich in diesem Essay miteinander verknüpfen möchte. Da geht es zum einen um den sogenannten Heldenplatzskandal von 1988, als Thomas Bernhard seinen österreichischen Landsleuten (erneut) den Spiegel vorhielt und Politiker jeglicher Couleur in Unkenntnis des gesamten Theaterstücks einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zum Anlaß nahmen, im Vorfeld der Uraufführung ein Theaterstück zum Theaterstück aufzuführen, das bis heute wohl seinesgleichen sucht, weil es geradezu schmerzhaft noch übertrifft, was Bernhard im Stück in bereits scharfen Worten anprangert. Und zum anderen gibt es da seit Oktober 2014 den eingetragenen Verein der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz “Pegida”, die seitdem jeden Montag die Dresdner Innenstadt blockieren und in immer schärferen Attacken pauschal gegen Ausländer hetzen, während die Sächsische Landesregierung wegschaut, schweigt und allen Ernstes behauptet, Sachsen hätte kein Problem mit Haß und Gewalt gegen Ausländer.

Judenhaß in Wien und Islamistenhaß in Dresden sind gewachsene Probleme. Und es gibt historische Ursprünge, die ähnlich gelagert sind. Diese möchte ich hier darlegen und außerdem diesen Beitrag nutzen, in Wolfgang Gasser einen Schauspieler zu ehren, der es geschafft hat, mit seiner großartigen und eindringlichen Darstellung des Robert Schuster bei der Uraufführung von “Heldenplatz” auch jene zum Schweigen zu bringen, die zuvor und danach mit unrühmlichen Zwischenrufen die Aufführung gestört haben und nur aus diesem Grund im Publikum saßen.

Der Heldenplatzskandal: Sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige führen sich auf wie sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige


Was ein Schriftsteller schreibt, ist ja nichts gegen die Wirklichkeit, denn die ist noch viel grausliger, als ein Schriftsteller sie sich ausdenken könnte. Und so erschien Heldenplatz, als das Stück endlich am Wiener Burgtheater uraufgeführt wurde, nurmehr noch als letzter Akt des Stückes, das bereits Wochen zuvor die Öffnung des Vorhangs erlebt hatte.

Im Stück Heldenplatz von Thomas Bernhard ist die eigentliche Hauptfigur Professor Josef Schuster bereits tot. Und doch ist er präsent, vor allem in den Monologen seines Bruders Robert, seiner Tochter Anna sowie der Haushälterin Frau Zittel. Das Familienoberhaupt scheint nun ein rechter Tyrann gewesen zu sein, doch an den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen fünfzig Jahre nach dem “Anschluß” Österreichs ist er dennoch zerbrochen, weshalb er sich aus dem Fenster der Wohnung hinaus auf den Heldenplatz in den sicheren Tod gestürzt hat. Professor Josef war Jude. Seine Frau Hedwig vernimmt erneut – wie am 15. März 1938 – das hysterische “Sieg heil!”-Gebrüll als Antwort auf Adolf Hitlers Verkündung von der Heimholung Österreichs ins Großdeutsche Reich.

Soweit wird die Opferrolle der Juden klassisch bedient. Und das ist wohl auch die Rolle, die landauf, landab erwartet wird, wenn im Theater oder im Film ein Jude auftritt. Ein Jude hat sich gefälligst als Opfer zu fühlen und muß sich auch so geben. Doch Professor Robert läßt sich diese Rolle nicht zuschreiben. Zunächst will er ganz einfach nur seine Ruhe, bis ihm seine Nichte Anna vorwirft, seines fortgeschrittenen Alters wegen nichts mehr zu sehen und zu hören, was an Judenhaß in Wien an der Tagesordnung ist. Und da bricht es schließlich in immer längeren Tiraden aus ihm heraus, was ein Kritiker als “Gebell eines deutschen Schäferhundes” bezeichnet hat. Angeblich führt sich der Jude also hier als deutscher Täter auf, nicht als jüdisches Opfer, denn genauso wie auch die nachgeborenen Deutschen Täter sind, sollten die Juden doch bitte schön weiterhin in ihrer Opferrolle aufgehen.

Der Wiener will in Ruhe und ohne Widerworte granteln. Die Juden haben sich in ihre Opferrolle zu fügen. Der Wiener fühlt sich auch im Recht dazu – als Bewohner einer Kulturstadt, die einst Hauptstadt der k.u.k Monarchie war und in den Köpfen der Alteingesessenen irgendwie noch ist. Wien mit dem österreichischen Umland ist in der schönen Vergangenheit steckengeblieben. Und Thomas Bernhard, als Autor von Heldenplatz, wird entsprechend als Nestbeschmutzer beschimpft, weil er das schreibt (und von Claus Peymann auf die Bühne bringen läßt), was er tagtäglich auf den Straßen und den Cafés Wiens gehört hat.

Österreich selbst ist nichts als eine Bühne, auf der alles verlottert und vermodert und verkommen ist, eine in sich selber verhaßte Statisterie von sechseinhalb Millionen Alleingelassenen; sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige, die ununterbrochen aus vollem Hals nach einem Regisseur schreien. Der Regisseur wird kommen und sie endgültig in den Abgrund hinunterstoßen.

Sechseinhalb Millionen Statisten, die von ein paar verbrecherischen Hauptdarstellern, die in der Hofburg und auf dem Ballhausplatz sitzen, an jedem Tag vor den Kopf und am Ende doch wieder nur in den Abgrund gestoßen werden.

Die Österreicher sind vom Unglück Besessene; der Österreicher ist von Natur aus unglücklich, und ist er einmal glücklich, schämt er sich dessen und versteckt sein Glück in seiner Verzweiflung.
      –Professor Robert Schuster, Heldenplatz, 2. Akt.

Es ist wie überall und mit allem: wer sich in der Kunst am deutlichsten wiedererkennt, heult am lautesten auf, weil er sein Spiegelbild nicht erträgt. Die Kronenzeitung schrie am lautesten, ihr folgten die Politiker, und die sogenannten Geistesgrößen hielten sich bis kurz vor der Uraufführung weitestgehend zurück. Und das Volk käute die Kommentare eines “Staberl” brav auf den Leserbriefseiten der Kronenzeitung wider. Es gab durchaus Stimmen, die Bernhard, Peymann und seinem Ensamble Mut zusprachen oder einfach nur zuerst das Stück sehen wollten, bevor sie sich ihre Meinung zu bilden erlaubten. Doch der Großteil der Österreicher forderte den “Piefke” Peymann auf, ihr schönes Österreich zu verlassen. Und an Bernhard beklagten sie, daß der sich seine Österreich-Beschimpfung mit ihren Steuergeldern auch noch gut bezahlen ließe.

Erinnerungen | Kurioses | Rekonstruktion zu Heldenplatz können unter den entsprechenden Links nachgelesen werden. Ansonsten empfehle ich zur vertiefenden Beschäftigung meine Literaturhinweise am Ende dieses Essays.

Der Theaterplatzskandal: Tausende Dresdner wollen montags einfach nur spazieren gehen und sich Haßreden internationaler Rechtsradikaler anhören

Der frühere Adolf-Hitler-Platz zu Dresden, heute Theaterplatz. Im Hintergrund die Semperoper. Aufnahme vom Hausmannsturm.
Der frühere Adolf-Hitler-Platz zu Dresden, heute Theaterplatz. Im Hintergrund die Semperoper. Aufnahme vom Hausmannsturm.


Wie Wien ist auch Dresden in seiner Vergangenheit gefangen. Stillstand, die Bewahrung des guten Alten wird propagiert und gelebt. Man sonnt sich in dem, was einst war, und will im Grunde gar keine Zukunft schaffen. Erinnerungen genügen, da weiß man wenigstens, woran man ist, denn die Vergangenheit meint man zu kennen. Der Architekt Gottfried Semper bereicherte beide Städte mit einer ähnlichen Innenstadtsilhouette, die man als schön bezeichnen kann. Diese alten Gemäuer strahlen Kultur und Kunst aus, und obwohl der vom DDR-Regime zurechtgestutzte Dresdner längst kein gläubiger Christ mehr ist, rührte ihn die Restauration der Frauenkirche doch zu Herzen. Nach der politischen Wende 1989 sah die Innenstadt endlich wieder so aus wie auf längst vergilbten Photographien.

Und in diese Zeit scheint man sich in Dresden zu flüchten. Denn was an Erinnerung und Nachkriegsgeschichte tagtäglich durch die deutsche Medienlandschaft gespült wird, ist häufig nur westdeutsche Geschichte. Der DDR-Bürger hat nun einmal kein Wirtschaftswunder erlebt. Ihm haben die Russen nach dem Krieg, statt bei dem Wiederaufbau zu helfen, auch noch das weggenommen, was ihnen an wenigem geblieben war. Noch zehn Jahre nach dem Kriegsende sahen die zerbomten Städte nicht wesentlich anders aus als unmittelbar nach dem Krieg. Und nach der Wende wurde jeder noch so kleine Stasi-Mitläufer enttarnt und derart an den Pranger gestellt, wie man es sich nach 1945 mit jedem Nazi gewünscht hätte.

Dresden war vor dem Untergang der DDR das Zentrum im Tal der Ahnungslosen. Überall sonst in der DDR konnten die Menschen wenigstens sporadisch die Fernseh- und Radioprogramme aus dem Westen empfangen. In und östlich von Dresden nicht. Die Stadt war wie eine Insel, denn vom politischen Zentrum Berlin war man auch weit genug entfernt, um sich als eine Art kulturelle Parallelgesellschaft fühlen zu können. Immerhin war Dresden einst kursächsische Residenzstadt, wurde als Elbflorenz gefeiert und zog Künstler aus ganz Europa an. Irgendwann waren die Herrschenden sogar von türkischer Kultur und Folklore angetan und veranstalteten osmanische Feste auf den Elbwiesen – und die Bevölkerung tat es ihnen begeistert nach.

Doch von dieser Erinnerung will die gegenwärtige Dresdner Bevölkerung nichts wissen. Ja, wenn da wieder so ein starker, sächsischer Kurfürst wäre, der ihnen sagte, was sie zu tun und zu glauben hätten – das wäre etwas anderes. Doch bisher hat sich die sächsische Landesregierung kaum zu Wort gemeldet. Während bei Pegida auf dem Theaterplatz bereits rassistische Parolen gerufen wurden, schwieg die Politik und glaubte, das Problem, das ohnehin keines war, würde sich demnächst zerstreuen. Doch es zerstreute sich nicht.

Im Gegenteil. Pegida ist mittlerweile so etwas wie eine Sekte, die auch auf höfliche Nachfragen mit Nichtbeachtung (im besten Fall), dem verbalen Hammer oder gleich physischer Aggression antwortet. Pegida demonstriert nicht; sie stellen auch keine Forderungen. Pegida geht einfach nur spazieren, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, die sich ihre DDR-typische Geschichte zurückholt. In diesem Sinne ist ihr gebetsmühlenartig vorgetragener Schlachtruf “Lügenpresse” wiederum verständlich, denn was in der (west)deutschen Presse geschrieben steht, sind weder ihre Geschichte noch ihre Erfahrungen. Die holen sie sich jetzt einfach wieder. Und die rechten Parolen von der Rednerbühne auf dem Theaterplatz? Nun, das überhört man ganz einfach. Einiges davon findet man vielleicht sogar richtig. Naja, und den Rest vergißt man einfach schnell wieder. Nichts hören, nichts sehen – zu Gunsten einer Gemeinschaft, in der man sich im großen Ganzen verstanden fühlt.

Denn was bedeutet den Deutschen schon das Christentum? Wie viele Deutsche gehen noch in die Kirche? Was bedeutet den Deutschen ihre Kultur? Wie viele Deutsche gehen ins Theater, lesen mehr als ein Buch im Jahr, besuchen wenigstens ein Museum im Leben?

Nein. Sie wollen kein Arabisch auf den Straßen hören, weil sie es nicht verstehen. Sie denken, dieser Araber plant gerade einen Bombenanschlag, dabei spricht er nur über das nächste Abendessen. Sie denken, diese Frau mit dem Kopftuch ist nicht frei, und zu Hause schlägt der Deutsche seine Tochter.
      –Professor Werner Winkler, Theaterplatz.

Selbstverständlich sind die vielen geflüchteten Menschen aus einer fremden Kultur eine Herausforderung. Doch gegen sie zu sein, sie am liebsten wieder aus dem Land zu prügeln, ist keine Option. Mit derartigen Aktionen schafft man Parallelgesellschaften und fordert die Radikalisierung dieser Menschen geradezu heraus. Jeder klar denkende Mensch ist gegen jegliche Art von religiösem Fanatismus. Doch die meisten Syrer, Afghanen und Kurden sind vor dem IS geflohen. Ja, die meisten von ihnen sind Muslime. Doch auch im Islam gibt es eine Mehrheit, die in Ruhe und Frieden leben und ihre Religion ausüben möchte, und eine Minderheit, die diese Religion für ihre selten vorhandenen Ziele mißbraucht.

Die gesamte Erde ist heutzutage so engmaschig vernetzt, daß sämtliche Informationen sekundenschnell von einem Punkt überall hin gelangen können. Wenn sich Europa nur weit genug erinnert, dann haben wir alle eine gemeinsame Geschichte. Die Unterschiede wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte mit Waffengewalt in die Köpfe der Menschen hineingebomt. Wieder ausgetrieben werden können sie jedoch nicht mit Waffen, sondern mit offenen Armen.

Dresden war bereits eine weltoffene Stadt. Es wird Zeit, daß sich die Menschen wieder daran erinnern. Es wird Zeit, daß sie ihre Opferrolle verlassen und ihr Schicksal in ihre eigenen Hände nehmen – nicht, um in der Vergangenheit zu verharren, sondern um gemeinsam mit allen Menschen eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

Eine Hommage aus vollem Herzen an Wolfgang Gasser

Wolfgang Gasser mit Kirsten Dene (links) und Elisabeth Rath in "Heldenplatz" (Bild: Kurier)
Wolfgang Gasser mit Kirsten Dene (links) und Elisabeth Rath in “Heldenplatz” (Bild: Kurier)

Wolfgang Gasser war nicht die erste Besetzung für die Rolle als Professor Robert Schuster in Heldenplatz. Er gehörte nicht einmal mehr zum Stammpersonal des Burgtheaters. Ein Jahr zuvor war er pensioniert worden und sprang nun im Sommer 1988 ein, nachdem die Erstbesetzung Hans-Michael Rehberg nach dem ZEIT-Interview von Regisseur und Burgtheaterchef Claus Peymann vom 27. Mai 1988 von seiner Rolle zurückgetreten war. Für Wolfgang Gasser war dies letztlich ein Glücksfall und seine wohl größte und beste Rolle in seiner gesamten schauspielerischen Laufbahn, die ihm 1989 die Kainz-Medaille als bester Schauspieler einbrachte.

Und das zu recht. Im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Pegida-Phänomen habe ich mich endlich auch tiefgründig mit Heldenplatz beschäftigt, da ich – was das unrühmliche Nebenher betrifft – schon lange Parallelen sah. Die aufschlußreiche Dokumentation zum Heldenplatzskandal ist da ein großer Augenöffner, was Politik und Gesellschaft in Österreich angehen. Die aus dem Zusammenhang gerissenen, griffigen Zitate entstammten nun hauptsächlich dem zweiten Akt und dort dem Monolog Robert Schusters. Die Störer auf den obersten Rängen hatten im Vorfeld angekündigt, alle diese Passagen ihrem Weltbild gemäß zu kommentieren. Und während des gesamten Stückes fröhnten sie dieser Unsitte auch ausgiebig. Doch da, wo es darauf ankam, eben bei den Zitaten, die am häufigsten durch die österreichische Medienlandschaft geisterten, war es mucksmäuschenstill. Das lag zum einen daran, daß der Zusammenhang der geäußerten Bonmots nun offenbar wurde, zum anderen aber auch am grandiosen und eindringlichen Spiel Wolfgang Gassers.

Bereits äußerlich repräsentierte Wolfgang Gasser wohl den Idealtypus des einerseits leidenden (an sich selbst und seiner Umwelt), andererseits mit Schmäh behafteten älteren Österreichers, der all sein geäußertes Leid im Grunde doch nicht so ernst nimmt. Weshalb er sich dennoch ab und zu eine Erregung gestattet, damit seine Anverwandten und Bekannten nicht denken, es sei bereits tot. Und so trägt Wolfgang Gasser Robert Schusters Tirade gegen Österreich und die Österreicher durchaus ernsthaft, zuweilen auch heftig erregt vor, doch eben auch mit einem gewissen Charme, mit dem er sogar die organisierten Störenfriede derart eingelullt hat, daß sie zeitweise nur noch andächtig zu lauschen vermochten.

Wolfgang Gassers tiefe, ausdrucksstarke und angenehme Stimme, die er bei besonders starker Erregung auch ungewöhnlich hoch klingen lassen konnte, machte seine Darstellung besonders außergewöhnlich. Im Zusammenspiel mit seiner wirkungsmächtigen Mimik und einer stets stimmigen Gestik nahm er Anfang November 1988 auch den schärfsten Kritikern den Wind aus den Segeln. Auch weil er hinter all dem stand, was Thomas Bernhard ihm auf den Leib geschrieben zu haben schien, legte er in jedes seiner Worte eine Authentizität, die mich kaum mehr atmen ließ, als ich die Aufzeichnung von Heldenplatz zum ersten Mal auf DVD gesehen habe.

Ein Mensch ist erst dann tot, wenn niemand mehr an ihn denkt und über ihn spricht. Wolfgang Gasser ist am 20. Mai 2007, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, in Wien verstorben. Doch mit der Darstellung des Robert Schuster in Heldenplatz hat er sich unsterblich gemacht.

Literaturempfehlungen


Teaser-Bild: Österreichische Mediathek

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